Der Grüne Star

 

Der „Grüne Star“ , auch Glaukom genannt, ist eine Erkrankung, die heute als Schädigung des Sehnervs definiert ist. Diese ist meist durch einen individuell für das Gewebe des einzelnen Menschen zu hohen Augeninnendruck bedingt. Diese Schwelle der Gewebeschädigung wird bei manchen Menschen bereits bei einem Augeninnendruck von z.B. 17 mmHg erreicht (sog. Normaldruckglaukom), während bei anderen Menschen auch ein langjährig „hoher“ Augeninnendruck von z.B. 27 mmHg keine Gewebeschädigung bewirkt. Dies wird „okuläre Hypertension“ (Hochdruck am Auge) genannt.

 

Der „offizielle“ obere Normwert des Augeninnendrucks von 21 mmHg kann also höchstens der Orientierung dienen. Für jeden Menschen ist der Wert, der zu einer Schädigung führt, individuell festzulegen – bei den meisten Menschen tritt bei einem Augeninnendruck von 15mmHg oder niedriger keine Gewebeschädigung auf.

 

Eine weitere Ursache für den Untergang von Nervenfasergewebe kann eine schlechte Durchblutung sein. Diese kann z.B. bei niedrigem Blutdruck vorliegen oder bei Gefäßveränderungen. In allen Fällen kommt es zu einem Absterben des Nervenfasergewebes. Der Augenarzt erkennt dies an einer Aushöhlung des Sehnervenkopfes, wenn er mit einer kleinen Lupe in das Auge hineinschaut. Dies ist in der Regel auch ohne Pupillenerweiterung möglich.

 

Wenn über die Hälfte der Nervenfasern abgestorben sind, kommt es zu Ausfällen im Gesichtsfeld (s. unter Symptome). Unbehandelt führt das Glaukom zur Erblindung. In den sogenannten Industrienationen, zu denen auch Deutschland gehört, ist der Grüne Star die zweithäufigste Erblindungsursache. Weltweit steht der Grüne Star an 3.- 4. Stelle der Ursachen einer Erblindung.

 

 

Häufigste Erkrankungsbilder und Symptome

Der Grüne Star kann angeboren sein und in jedem Lebensalter auftreten. Ab dem 40. Lebensjahr nimmt die Erkrankungshäufigkeit deutlich zu. Man unterscheidet das häufigere Offenwinkel- vom Engwinkelglaukom. Bei letzterem ist der Winkel zwischen Horn- und Regenbogenhaut klein und der Abfluß des im Auge zirkulierenden Kammerwassers kann blockiert werden. Da weiterhin Wasser auf der Rückseite der Regenbogenhaut produziert wird, steigt der Augeninnendruck - oft sehr hoch auf Werte um 50 mmHg. Dies ist in der Regel sehr schmerzhaft, kann mit einem roten Auge vergesellschaftet sein und tritt häufig auf, wenn sich die Pupille, z.B. in der Dämmerung, erweitert.

 

Deutlich häufiger tritt das Offenwinkelglaukom auf, bei dem der Kammerwinkel weit ist. Auch hier können Veränderungen im Abflußgebiet ursächlich sein oder z.B. die Kammerwasserproduktion erhöht. Manche Menschen reagieren auf die Einnahme von Kortison mit einem Anstieg des Augeninnendrucks. Veränderungen der Strukturen im Auge z.B. nach Verletzungen oder Entzündungen oder nach Gefäßverschlüssen der Netzhaut können ebenfalls zu einem Glaukom führen – sogenanntes Sekundärglaukom. Der Augeninnendruck steigt bei den letzteren Formen meist nicht so hoch wie beim Engwinkelglaukom und die Patienten verspüren keine Schmerzen.

 

Ein Druckgefühl am Auge ist nicht hinweisend auf eine Erhöhung des Augeninnendruckes. Auch das Absterben der Nervenfasern verursacht keine Schmerzen. Daher bemerkt der Patient sehr lange nicht, dass eine Schädigung in seinem Auge voranschreitet.

 

Die letztlich durch das abgestorbene Gewebe verursachten Ausfälle im Gesichtsfeld treten häufig zunächst in Bereichen auf, die von beiden Augen erfasst werden, so dass der einseitige Ausfall vom Partnerauge kompensiert wird. Regenbogenfarbige Kreise um Lichtquellen stellen einen seltenen Hinweis auf einen erhöhten Augeninnendruck dar. Diese entstehen vermutlich durch eine vermehrte Hornhautschwellung aufgrund der Augeninnendruckerhöhung.

 

Ein angeborenes Glaukom kann sich durch ein verstärktes Wachstum des Augapfels und eine Vergrößerung des Hornhautdurchmessers bemerkbar machen.

 

 

Sinnvolle Diagnostik

Um festzustellen, ob ein Glaukom vorliegt, wird der Sehnervenkopf beurteilt und der Augeninnendruck gemessen. Nicht immer ist anhand der Ergebnisse eine eindeutige Aussage möglich. Glücklicherweise stehen heutzutage einige weiterführende Untersuchungen zur Verfügung, die eine Diagnosestellung ermöglichen und helfen, den Erfolg der gewählten Therapie zu kontrollieren. Hierbei wird der Sehnervenkopf in seiner Gesamtgröße und die Aushöhlung vermessen und zueinander ins Verhältnis gesetzt. Dies leistet das HRT.

 

Auch misst man die Dicke der Nervenfaserschicht rund um den Sehnervenkopf. Dies geht mit dem GDX. Das OCT vereint beide Messungen in einem Untersuchungsgang und liefert somit die meisten Informationen.

 

Mitunter kann auch die Bestimmung der Hornhautdicke nützlich sein, z.B. wenn der Augeninnendruck recht hoch gemessen wird, aber der Sehnerv gut aussieht. In diesem Fall könnte es sein, dass die Hornhaut besonders dick ist und so der gemessene Augeninnendruck verfälscht wird. Umgekehrt bedingt eine dünne Hornhaut einen zu niedrig gemessenen Augeninnendruck und man wiegt sich mitunter in falscher Sicherheit.

 

Selbstverständlich spielt auch die Untersuchung des Gesichtsfeldes eine wichtige Rolle. Allerdings können hiermit in der Regel nur bereits aufgetretene, nicht mehr rückgängig zu machende Schäden nachgewiesen werden, während HRT, GDX und OCT sehr frühe Veränderungen, lange bevor das Sehvermögen betroffen ist, aufdecken.

 

Zudem ist bekannt, dass das Ergebnis der Gesichtsfelduntersuchung sehr von der aktuellen Verfassung und Konzentration des Patienten abhängt. Je öfter der Patient die Gesichtsfeldmessung durchführt, umso zuverlässiger werden mit der Zeit die Ergebnisse.

 

Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass es auch hochempfindliche Gesichtsfelduntersuchungen gibt, die einfacher durchzuführen sind, und einen Schaden frühzeitiger als die herkömmliche Methode aufdecken können.

 

 

Therapie

In der Regel wird versucht, den Augeninnendruck zu senken, auch in den Fällen, in denen er im „Normbereich“ liegt und eher die Durchblutung ursächlich für den Schaden zu sein scheint. Im Falle eines (eher seltenen) Engwinkelglaukoms wird ein Loch in die Regenbogenhaut – meist per Laser – geschnitten, um die Zirkulation des Kammerwassers zu gewährleisten.

 

Beim häufigeren Offenwinkelglaukom wird zunächst meist ein medikamentöser Ansatz mit Tropfen gewählt. Hierfür stehen unterschiedliche Wirkstoffe zur Verfügung, die 1- bis 3mal täglich getropft werden sollen. Je nach Verträglichkeit können konservierte oder unkonservierte Zubereitungen verordnet werden. Die Kombination mehrerer Wirkstoffe ist möglich, um eine stärkere Augeninnendrucksenkung zu erreichen.

 

Bei unzureichender Drucksenkung, Unverträglichkeit der Tropfen oder im Falle, dass der Patient häufig vergisst zu tropfen, können verschiedene Lasermethoden angewandt werden. Diese wirken jedoch nicht immer, manchmal erst nach einigen Wochen und mitunter auch nicht nachhaltig.

 

Außerdem stehen verschiedene operative Verfahren zur Verfügung, die ständig weiterentwickelt werden. In jedem Fall ist die Therapieentscheidung für den einzelnen Patienten individuell nach Verträglichkeit, Verlauf der Erkrankung und Erfolg der Therapie zu treffen. In seltenen Fällen sind Infusionen oder die Einnahme von Tabletten nötig.

 

 
Verlauf und Kontrollen

In der Regel gelingt es gut, ein Fortschreiten des Schadens am Sehnerven zu verhindern und das Augenlicht zu bewahren. Der Verlauf ist jedoch von Mensch zu Mensch verschieden, weshalb regelmässige Kontrollen nötig sind. Üblicherweise werden Glaukompatienten alle drei Monate beim Augenarzt untersucht. In der Regel wird einmal jährlich eine Gesichtsfelduntersuchung jeden Auges durchgeführt. Auch weiterführende Untersuchungen wie OCT, HRT oder GDX werden meist jährlich wiederholt.